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DER FRIEDEN IST KRIEGSTÜCHTIG

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DER FRIEDEN IST KRIEGSTÜCHTIG

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Donnerstag 11 Jun 2026 · Lesezeit 4 Minuten
Tags: Frieden, Kriegsstücktig, Deutschland, Weltuntergang, Investitionsprogramm, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Zukunft, Nachhaltigkeit
Wie Deutschland lernt, den Weltuntergang als Investitionsprogramm zu verkaufen

Es gibt politische Aussagen, die gehen im täglichen Trommelfeuer der Schlagzeilen beinahe unter. Nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil ihre Konsequenzen so gewaltig sind, dass man sie lieber nicht allzu laut ausspricht.

Eine solche Aussage soll der britische Premierminister Keir Starmer gemacht haben, als er davon sprach, dass es bis 2030 zu einem Angriff Russlands oder der NATO kommen könne.

Russland oder die NATO.

Ein bemerkenswerter Satz.

Vor allem deshalb, weil uns seit Jahren erklärt wird, die NATO sei ein reines Verteidigungsbündnis, eine Art militärischer Samariterverein mit Tarnfleckanzug, dessen einzige Aufgabe darin besteht, friedlich auf der Weltkarte zu sitzen und auf Angriffe zu warten.

Nun könnte ein unaufmerksamer Bürger auf die Idee kommen zu fragen:
Wenn die NATO ausschließlich defensiv ist, wie kann sie dann überhaupt als möglicher Angreifer in einem solchen Szenario auftauchen?

Eine höchst unhöfliche Frage.

In Zeiten strategischer Kommunikation sollte man Fragen vermeiden, deren Antworten unangenehm werden könnten.

Die moderne Sicherheitspolitik funktioniert schließlich nach einem einfachen Prinzip:
Mehr Waffen bedeuten Frieden.
Mehr Aufrüstung bedeutet Stabilität.
Mehr Konfrontation bedeutet Deeskalation.

Und mehr Kriegsgefahr bedeutet mehr Sicherheit.

Wer das nicht versteht, hat die Logik des 21. Jahrhunderts offenbar noch nicht verinnerlicht.

Europa erlebt derzeit eine bemerkenswerte Verwandlung.

Vor wenigen Jahren diskutierte man über Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Energiewende.

Heute diskutiert man über Panzerzahlen, Marschflugkörper, Mobilmachung und Kriegstauglichkeit.

Das Wort „Friedensdividende“ wurde stillschweigend entsorgt.

Stattdessen lautet die neue Parole:
„Frieden schaffen mit Milliarden für Rüstung.“

Es ist eine faszinierende Entwicklung.

Der Bürger soll sparen.
Die Wirtschaft soll sparen.
Die Kommunen sollen sparen.
Die Rentner sollen sparen.
Die Krankenhäuser sollen sparen.

Aber bei den Rüstungsausgaben scheint plötzlich Geld in einer Menge vorhanden zu sein, die selbst mittelalterliche Alchemisten beeindruckt hätte.

Wo gestern noch kein Geld für Schulen, Brücken oder Pflegekräfte vorhanden war, entstehen heute Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe.

Ein wahres Wunder.

Früher verwandelte Jesus Wasser in Wein.

Heute verwandeln Regierungen Schulden in Sicherheit.

Zumindest behaupten sie das.

Besonders bemerkenswert ist die Rolle vieler Medien.

Wenn ein Politiker vor einer militärischen Eskalation warnt, wird dies ausführlich berichtet.

Wenn jedoch die Möglichkeit eines direkten Konflikts zwischen NATO und Russland angesprochen wird, verschwinden manche Formulierungen erstaunlich schnell zwischen den Zeilen.

Der Bürger soll schließlich informiert werden.

Nur nicht zu gründlich.

Man könnte sonst auf den Gedanken kommen, dass militärische Eskalationen nicht immer ausschließlich von einer Seite ausgehen.
Und das wäre für die gepflegte Schwarz-Weiß-Malerei der geopolitischen Debatte äußerst störend.

Dabei genügt bereits ein Blick in die Geschichte.

Die NATO beteiligte sich am Luftkrieg gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien 1999 ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates. Der Einsatz in Afghanistan dauerte zwei Jahrzehnte. 2011 griff ein NATO-geführtes Bündnis in Libyen ein. Über die Bewertung dieser Einsätze kann man streiten – aber die Behauptung, die NATO habe ausschließlich passiv auf Angriffe gewartet, hält einem historischen Faktencheck nur schwer stand.

Doch Geschichte ist heute oft ein störendes Detail.

Sie verkompliziert einfache Erzählungen.

Und einfache Erzählungen sind politisch wesentlich nützlicher.

Die eigentliche Frage lautet jedoch nicht, ob Russland gefährlich ist.

Großmächte waren immer gefährlich.

Die eigentliche Frage lautet:
Warum scheint Europa zunehmend davon überzeugt zu sein, dass jede Krise mit noch mehr militärischer Logik beantwortet werden muss?

Warum werden Diplomatie, Interessenausgleich und Verhandlungen immer häufiger als Zeichen der Schwäche dargestellt?
Warum wird jede Forderung nach Entspannungspolitik beinahe behandelt, als hätte jemand vorgeschlagen, die Landesverteidigung durch Yoga-Kurse zu ersetzen?

Vielleicht liegt die Antwort in einer unangenehmen Wahrheit:
Kriegsrhetorik ist politisch bequem.

Ein äußerer Feind erklärt vieles.
Steigende Preise.

Wirtschaftliche Probleme.

Soziale Spannungen.

Politisches Versagen.

Wer einen Feind präsentieren kann, muss weniger über eigene Fehler sprechen.

Das ist keine neue Erkenntnis.

Sie ist so alt wie die Politik selbst.

Und so marschiert Europa entschlossen in eine Zukunft, die offiziell Frieden heißt, aber immer häufiger wie eine Generalstabsübung klingt.

Man spricht von Abschreckung.
Von Einsatzbereitschaft.
Von Resilienz.
Von Verteidigungsfähigkeit.

Und irgendwo zwischen all diesen wohlklingenden Begriffen verschwindet eine Frage, die eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte:
Wie verhindert man den Krieg?

Denn am Ende ist Krieg keine Pressekonferenz.

Kein Gipfeltreffen.
Keine Talkshow.
Keine Schlagzeile.

Krieg bedeutet Tote.
Verwundete.
Zerstörung.
Verlust.
Elend.

Und er unterscheidet nicht zwischen den politischen Lagern, die ihn zuvor herbeigeredet haben.

Vielleicht sollte man sich deshalb an einen alten Grundsatz erinnern:
Wer ständig vom Krieg spricht, sollte besonders viel über Frieden nachdenken.

Denn die Geschichte zeigt eine unangenehme Regelmäßigkeit:
Die meisten Katastrophen beginnen nicht mit dem ersten Schuss.

Sie beginnen mit der Überzeugung, dass der erste Schuss schon irgendwie gerechtfertigt sein wird.



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