Direkt zum Seiteninhalt

Der Spiegel und der Kreml im „Lolita-Express mit Honigtöpfchen“

Sarkasmus-Spiegel
Menü überspringen
Sarkasmus
Menü überspringen

Der Spiegel und der Kreml im „Lolita-Express mit Honigtöpfchen“

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Freitag 20 Feb 2026 · Lesezeit 2 Minuten
Tags: Der, Spiegel, Kreml, Lolita, Express, Nebelkerzen, heiße, Luft
14 Minuten Nebelkerzen – und am Ende doch nur heiße Luft

Man muss es ihnen lassen: Wenn es um erzählerische Akrobatik geht, turnt die Redaktion von Der Spiegel inzwischen auf olympischem Niveau. Die Frage „War Epstein ein Agent des Kreml?“ wird mit jener gravitätischen Ernsthaftigkeit gestellt, mit der man früher Staatskrisen oder Weltkriege einleitete. Diesmal jedoch geht es um die geopolitische Großthese: Der Mann mit Privatinsel als verlängerter Arm Moskaus.

Was folgt, ist eine dramaturgische Meisterleistung. Vierzehn Minuten Lesezeit, gespickt mit allem, was das Andeutungs-Buffet hergibt: Reisen nach Moskau, Visa-Anträge, angebliche Audienz-Wünsche bei Putin, Kontakte zu Russen, Zwischenüberschriften wie aus einem Agententhriller der 70er. „Trips nach Moskau und Sibirien“, „Der Freund von der FSB-Akademie“, „Vorliebe für russische Mädchen und Frauen“ – es fehlt eigentlich nur noch die Balalaika im Hintergrund.

Und dann, ganz am Ende – nach ausgiebigem Nebelwerfen – die Pointe: Es gibt keinerlei Beweise. Keine überzeugenden Hinweise. Experten halten es für „wenig wahrscheinlich“. Mit anderen Worten: Die große Kreml-Spionagegeschichte zerfällt in sich wie ein schlecht gebautes Kartenhaus.

Das ist kein Journalismus, das ist Suggestion mit Sicherheitsnetz. Man inszeniert zwölf Minuten lang ein Szenario, das sich tief ins Unterbewusstsein fräst – nur um anschließend in zwei Absätzen juristisch sauber zurückzurudern. Die Schlagzeile bleibt, der Eindruck bleibt, die Korrektur verdunstet.

Wäre es um Aufklärung gegangen, hätte man mit der schlichten Erkenntnis begonnen: Es gibt keine Belege für eine russische Steuerung. Punkt. Stattdessen wird die Unwahrscheinlichkeit episch ausgemalt, als müsse man sie erst emotional plausibel machen, um sie danach formal zu verneinen.

Das eigentliche Kunststück besteht darin, ein Narrativ zu pflanzen, während man offiziell bestreitet, es zu verbreiten. Man kann sich anschließend zurücklehnen und erklären, man habe ja nur „Fragen gestellt“. Fragen allerdings, die so gebaut sind, dass sie bereits die gewünschte Antwort in sich tragen.

Vielleicht sollte man die nächste Titelgeschichte gleich konsequent formulieren: „War Atlantis eine NATO-Basis?“ Vierzehn Minuten Spekulation, gefolgt von dem diskreten Hinweis, dass es dafür keinerlei Beweise gibt.

Propaganda mit Fußnote – das ist die wahre Disziplin deutscher Qualitätsmedien, in der hier demnächst Medaillen vergeben werden.



Zurück zum Seiteninhalt