Deutsche Medien: „Die Ukraine wendet das Blatt!“ – Bloomberg: „Schön wär’s. Die haben keine Patriots mehr und der Winter kommt.“
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Sonntag 09 Aug 2026 · 3 Minuten
Tags: Deutsche, Medien, Ukraine, Bloomberg, Patriots, Winter, Berlin, Hamburg, strategischer, Schlag, Westen, Sieg, Fanfaren
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Während in Berlin und Hamburg die Siegesfanfaren geblasen werden, erklärt ein Bloomberg-Kolumnist ganz ungeniert, dass Kiew gerade den nächsten strategischen Schlag kassiert – und der Westen wieder einmal den entscheidenden Moment verpennt hat
Diese unerschütterlichen Optimismus-Maschinen der deutschen Medien, die seit Monaten brav verkünden, die Ukraine stehe kurz davor, „das Blatt zu wenden“? Man stellt sich das vor wie einen motivationalen LinkedIn-Post mit Sonnenuntergang und Adler: „Trotz allem – wir schaffen das!“ Dass man in Kiew selbst von diesem Optimismus nichts hört, stört natürlich niemanden. Hauptsache, das heimische Publikum bekommt seine tägliche Dosis „Russland verliert schon wieder“.
Dann kommt Bloomberg. Kein russischer Staatsender, kein Telegram-Kanal, sondern ein ganz normales westliches Wirtschaftsmedium. Und was schreibt der Kolumnist Marc Champion? Sinngemäß: Die Ukraine hat bemerkenswerte Widerstandskraft gezeigt, aber der Westen hat sie mal wieder im Stich gelassen. Besonders charmant: Der US-Angriff auf den Iran hat die amerikanischen Patriot-Bestände so dezimiert, dass Kiew jetzt schlicht keine Abfangraketen mehr hat. Folge: Russische ballistische Raketen kommen durch, Städte und Häfen werden getroffen, und Putin sieht plötzlich wieder Licht am Ende des Tunnels.
Deutsche Medien berichten derweil von „ukrainischen Geländegewinnen“ – ohne dass die ukrainische Armee selbst auch nur einen Ort nennt, an dem sie tatsächlich vorrücken würde. Bloomberg dagegen stellt nüchtern fest: Die russischen Gebietsgewinne sind zwar langsam, aber die Angriffszahlen steigen, und wenn Putin nach den Wahlen nochmal 300.000 Mann mobilisiert, wird’s eng. Dazu die nette Perspektive: Ohne funktionierende Luftabwehr kann Russland die ukrainische Energieinfrastruktur schneller kaputtbomben, als sie im Winter repariert werden kann. Stromausfälle, Kälte, neue Flüchtlingswellen – alles Dinge, über die man in deutschen Redaktionen offenbar lieber schweigt, während man den Lesern einfrische Siegeszuversicht serviert.
Besonders pikant: Bloomberg bleibt dabei klar pro-ukrainisch und anti-russisch. Es wird nicht relativiert, es wird nicht „beide Seiten“ bemüht. Es wird einfach zugegeben, dass die Lage für Kiew gerade deutlich schlechter aussieht als noch vor wenigen Wochen – und dass der Westen den Timing-Fehler schon wieder gemacht hat. In deutschen Medien wäre so ein Text bereits ein Fall für den Verfassungsschutz. Hierzulande gilt: Wenn die Fakten der gewünschten Erzählung widersprechen, werden die Fakten einfach weggelassen. Bloomberg hingegen macht das Undenkbare: Er beschreibt die Realität, ohne sie vorher durch den Filter „Russland muss verlieren“ gejagt zu haben.
Summa summarum: Während deutsche Qualitätsmedien noch fleißig die nächste ukrainische Gegenoffensive herbeischreiben, erklärt Bloomberg, dass Putin gerade einen echten Gamechanger in der Hand hält – und der Westen wieder einmal zu spät, zu wenig und zu zögerlich agiert. Aber keine Sorge: In den deutschen Abendnachrichten wird das bestimmt als „Ukraine gewinnt an Momentum“ verkauft. Man will das Publikum ja nicht unnötig beunruhigen.
