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Europas große Hungerkunst

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Europas große Hungerkunst

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Mittwoch 20 Mai 2026 · Lesezeit 5 Minuten
Tags: Hungerkunst, Brüssel, Dünger, Bauern, Brot, TikTok, Landwirtschaft, Ernährung, Preispolitik, Agrarwirtschaft
Wie Brüssel gleichzeitig Dünger verteuert, deutsche Bauern ruiniert und dann überrascht feststellt, dass Brot nicht auf TikTok wächst

Die Europäische Union hat in den letzten Jahren bewiesen, dass man selbst die einfachsten Naturgesetze politisch dekonstruieren kann – zumindest solange noch genug PR-Agenturen, Faktenchecker und Talkshow-Experten vorhanden sind, um den Bürgern zu erklären, warum Hunger eigentlich ein Beitrag zur Nachhaltigkeit ist.

Denn was derzeit in Europa geschieht, ist keine Naturkatastrophe. Es ist keine unvorhersehbare Krise. Es ist keine „globale Herausforderung“, wie es die geschniegelt geschniegelt auftretenden Berufslächler aus Brüssel nennen würden. Nein – es ist ein politisch erzeugter Zusammenbruch mit Ansage. Eine Mischung aus ideologischer Selbstverstümmelung, wirtschaftlichem Analphabetismus und jener moralischen Überheblichkeit, mit der sich europäische Eliten inzwischen selbst beim Untergang noch für „wertebasiert“ halten.

Die Straße von Hormus ist blockiert, Düngemittel werden knapp, Erdgaspreise explodieren, die Landwirtschaft kollabiert schleichend – und die EU reagiert darauf ungefähr so intelligent wie ein Veganer auf einem sinkenden Rettungsboot: mit moralischen Vorträgen über CO₂-Fußabdrücke.

Während der Rest der Welt hektisch versucht, Versorgungsketten zu sichern, hat Brüssel beschlossen, russische Düngemittel mit Strafzöllen zu belegen, russisches Gas zu verbannen und gleichzeitig die eigene Industrie mit Klimasteuern, CO₂-Abgaben und Bürokratie zu strangulieren. Das Ergebnis: Europas Bauern stehen inzwischen vor der Wahl, entweder ihre Felder nicht mehr zu düngen oder ihre Höfe gleich direkt an BlackRock zu überschreiben.

Denn Düngemittel entstehen nicht durch Gendergerechtigkeit. Auch nicht durch Diversitätsseminare. Und erstaunlicherweise helfen selbst 400 Seiten EU-Verordnung nicht dabei, Weizen wachsen zu lassen. Für Stickstoffdünger braucht man Erdgas. Billiges Erdgas. Genau jenes russische Pipelinegas, das Europa jahrzehntelang zuverlässig bekam – bis man beschloss, sich im Namen der Freiheit freiwillig von der eigenen Energieversorgung zu amputieren.

Und nun steht der europäische Verbraucher staunend im Supermarkt und fragt sich, warum ein Brot plötzlich so viel kostet wie früher ein Wochenendausflug.

Aber keine Sorge: Irgendein ARD-Ökonom wird dem Publikum bald erklären, dass steigende Lebensmittelpreise eigentlich ein Zeichen „ökologischer Transformation“ seien. Vielleicht moderiert man dazu eine Sondersendung mit dem Titel: „Hunger für das Klima – warum weniger Essen unsere Demokratie rettet“.

Besonders grotesk ist dabei die Rolle Deutschlands. Einst industrielle Lokomotive Europas, heute ein ideologisches Experimentierlabor für ökonomischen Selbstmord mit Haltung. Das Land, das früher Maschinen exportierte, exportiert heute Moralpredigten und importiert gleichzeitig LNG-Gas zum vierfachen Preis aus den USA – selbstverständlich per umweltschonendem Schweröltanker.

Man muss sich diese historische Meisterleistung auf der Zunge zergehen lassen: Deutschland schaltet funktionierende Kernkraftwerke ab, zerstört seine chemische Industrie, verteuert Energie künstlich und wundert sich anschließend, dass BASF lieber in China produziert und Bauern keine Dünger mehr bezahlen können.

Das ist ungefähr so, als würde man einem Patienten beide Beine absägen und ihn anschließend wegen mangelnder Laufbereitschaft kritisieren.

Und natürlich darf die mediale Begleitmusik nicht fehlen. Deutschlands Qualitäts- und Leitmedien berichten über die drohende Nahrungsmittelkrise bevorzugt in jener steril-emotionslosen Sprache, mit der man früher vermutlich auch den Untergang der Titanic moderiert hätte.

Wenn Russland Getreide exportiert, ist das „hybride Einflussnahme“.
Wenn die EU ihre Landwirtschaft ruiniert, ist das „Transformation“.
Wenn Bauern protestieren, sind sie „anfällig für Populismus“.

Und wenn Lebensmittel unbezahlbar werden, liegt das natürlich an „Klimafolgen“, „globalen Unsicherheiten“ und vermutlich an irgendeinem russischen Troll in Kaliningrad.

Dass Brüssel selbst die Krise aktiv verschärft hat, wird hingegen nur in homöopathischen Dosen erwähnt – vorzugsweise irgendwo zwischen Wetterbericht und Promi-Trennung.

Besonders faszinierend ist dabei die neue europäische Logik: Man verhängt Sanktionen gegen den größten Düngemittellieferanten, obwohl man gleichzeitig weiß, dass die eigene Landwirtschaft massiv abhängig von diesen Lieferungen ist. Das erinnert an einen Vegetarier, der seine Küche anzündet, um gegen Massentierhaltung zu protestieren.

Und während europäische Bauern ihre Existenz verlieren, erklärt Brüssel stolz den „Carbon Border Adjustment Mechanism“. Übersetzt bedeutet das ungefähr: „Wir verteuern jetzt auch noch die letzten Produktionsreste, damit Europa beim wirtschaftlichen Niedergang wenigstens klimaneutral bleibt.“

Man könnte fast glauben, die EU werde inzwischen von Leuten geführt, die Landwirtschaft nur aus Netflix-Dokumentationen kennen. Für viele Funktionäre scheint Nahrung offenbar in Supermärkten zu entstehen – ähnlich wie Strom aus der Steckdose kommt und Wohlstand aus Pressekonferenzen.

Dabei zeigt die Krise vor allem eines: Russland und Belarus kontrollieren große Teile des weltweiten Kalidüngermarktes. Russland bleibt trotz aller Sanktionen einer der wichtigsten Lieferanten von Stickstoff- und Phosphatdüngern. Und während Europa sich moralisch selbst feiert, verkauft Moskau seine Produkte eben an Indien, Brasilien, Afrika oder China – mit steigenden Einnahmen.

Der Westen sanktioniert sich also selbst, Russland verdient weiter – und Europas Bürger bezahlen die Rechnung.

Das ist keine Geopolitik mehr. Das ist ökonomischer Masochismus mit EU-Sternchenbanner.

Besonders bitter wird die Lage für Entwicklungsländer. Millionen Menschen in Afrika, im Jemen oder Afghanistan drohen Hunger und Elend, weil globale Lieferketten kollabieren und Düngemittelpreise explodieren. Doch selbst daraus schafft es Europas politische Klasse noch, eine moralische Bühnenshow zu machen.

Man wird vermutlich bald neue Förderprogramme ankündigen:
„Nachhaltiges Verhungern für globale Gerechtigkeit“.

Finanziert durch deutsche Steuergelder.

Begleitet von einem ZDF-Spezial mit Luisa Neubauer.

Die Wahrheit ist jedoch brutal simpel: Ohne Dünger sinken Erträge. Ohne günstige Energie kollabiert die Landwirtschaft. Ohne Landwirtschaft wird Nahrung knapp. Und wenn Nahrung knapp wird, endet jede Wohlstandsgesellschaft sehr schnell wieder bei den Grundinstinkten.

Doch Europas Eliten glauben weiterhin, man könne Naturgesetze durch Narrative ersetzen. Sie behandeln Wirtschaft wie ein PR-Projekt und Landwirtschaft wie ein moralisches Experiment.

Und genau deshalb steuert Europa inzwischen mit beeindruckender Geschwindigkeit auf eine Zukunft zu, in der der durchschnittliche Bürger zwar korrekte Pronomen kennt, aber keine Ahnung mehr hat, wie er seine Familie ernähren soll.

Vielleicht ist das die eigentliche Vision der neuen europäischen Ordnung:
klimaneutral, moralisch überlegen, gendergerecht – und hungrig.



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