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Gerechter Frieden in London? Ein Kontinentaldrama zwischen Wunschdenken, Kriegsrhetorik und politischem Gruppentherapie-Kreis

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Gerechter Frieden in London? Ein Kontinentaldrama zwischen Wunschdenken, Kriegsrhetorik und politischem Gruppentherapie-Kreis

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Weltgeschehen · Sonntag 07 Dez 2025 · Lesezeit 3:15
Tags: GerechterFriedenLondonKontinentaldramaWunschdenkenKriegsrhetorikpolitischerGruppentherapieKreisSelenskyStaatschefsEuropaGeschichte
Während Europas Staatschefs mit Selensky in London konferieren, reden alle vom „gerechten Frieden“ – und keiner sagt ehrlich, dass es so etwas in der Geschichte noch nie gegeben hat

Wenn sich morgen die europäischen Staatschefs mit Selensky in London treffen, klingt das offiziell nach einem historischen Moment, nach Weichenstellungen, nach „gemeinsamer Verantwortung“. In Wahrheit wirkt es eher wie der nächste Strategiegipfel eines Stellvertreterkrieges, den niemand so nennen will, weil sonst das schöne moralische Vokabular auseinanderfallen würde wie ein schlecht geölter Panzer.

Man spricht also wieder vom „gerechten Frieden“. Ein Begriff, der so oft bemüht wird, dass man meinen könnte, er sei schon irgendwo entdeckt worden – in freier Wildbahn, gleich hinter dem Einhorngehege und gegenüber der Steuererklärung, die sich selbst ausfüllt.
Denn wo, bitte schön, gab es je einen gerechten Frieden?

Die Geschichte Europas ist ein Museum voller Waffenstillstände, Kompromisse, Angstbündnisse, Machtverschiebungen und notdürftig vernähter Wunden. Gerecht? Nie.

Funktional? Manchmal.
Friedlich? Wenn's gut lief.

Gerade Europa müsste es eigentlich besser wissen: Dieser Kontinent war jahrhundertelang ein Haufen gegeneinander intrigierender, kriegsführender, einander misstrauender Staaten, die es schafften, sich aus beinahe jeder Kleinigkeit einen Flächenbrand zu basteln. Und heute?

Heute verkauft man uns die EU als historisches Wunder, das vom Himmel gefallen ist – dabei beruhte die Integration letztlich auf einem sehr weltlichen Deal: wirtschaftliche Vorteile, politische Stabilität und die Erkenntnis, dass man gemeinsam weniger oft in Schutt und Asche endet.

Wenn also selbst Europa, dieser historisch verfeindete Flickenteppich, der sich gegenseitig jahrhundertelang das Fell über die Ohren gezogen hat, irgendwann zur Erkenntnis gelangte, dass Zusammenarbeit klüger ist als Heldentum – warum sollte das mit Russland unmöglich sein?

Wir reden hier immerhin von einem Kontinent, dessen größte politische Erfindung die Föderation ist: Die Bundesrepublik besteht aus 16 Ländern, von denen jedes seinen eigenen Kopf hat, seine eigenen Eitelkeiten, seine eigenen Befindlichkeiten – und trotzdem funktioniert das Ganze halbwegs.

Wenn Bayern und Bremen es schaffen, ohne Gebietsansprüche, Artillerie oder Sanktionen miteinander auszukommen, müsste der Gedanke, dass Europa und Russland langfristig wieder zueinanderfinden, nicht völlig absurd sein.

Doch in London wird es darum nicht gehen.
Dort wird man Formulierungen austauschen wie Münzen im Zirkulationsapparat der Diplomatie: „gerechter Frieden“, „europäische Sicherheit“, „Werte“. Alles korrekt, alles moralisch, alles angenehm unscharf.

Dass ein echter Frieden – egal wie gerecht oder ungerecht – nun mal Verhandlungen, Kompromisse und Realismus braucht, wird man lieber weiterhin nicht aussprechen. Es klingt nicht heroisch genug. Und es lässt sich schlecht verkaufen.

Der Kontinent, der einst die eigene Einigung erst nach Jahrhunderten der Katastrophen begriff, tut heute so, als sei jeder Dialog mit Russland eine Art ideologisches Sakrileg. Dabei müsste man nur in die eigene Vergangenheit schauen, um zu erkennen, dass fast jede dauerhafte Lösung mit jenen begann, mit denen man zuvor nicht sprechen wollte.

Vielleicht wäre London also ein guter Ort, sich daran zu erinnern, dass Frieden kein Idealzustand ist, sondern ein mühsam ausgehandeltes Gleichgewicht. Und dass „gerecht“ dabei nie mehr war als ein Etikett.

Aber vermutlich wird es wieder einmal darauf hinauslaufen, dass man in Brüssel, Berlin und Paris die rhetorische Premium-Marke bestellt:
Frieden ja, aber bitte nur der richtige, der moralisch einwandfreie, der westlich zertifizierte.

Und währenddessen zieht der Krieg weiter seine Kreise – nicht gerecht, nicht logisch, nicht notwendig.

Genau wie immer in der europäischen Geschichte, bevor man endlich lernte, miteinander zu reden.



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