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Monopoly Gaza – Abriss, Aufteilung, Rendite: Wenn Krieg zum Bauprojekt wird

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Monopoly Gaza – Abriss, Aufteilung, Rendite: Wenn Krieg zum Bauprojekt wird

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Donnerstag 18 Sep 2025 · Lesezeit 5 Minuten
Tags: Monopoly, Gaza, Abriss, Aufteilung, Rendite, Krieg, Bauprojekt, Smotrich, Immobilien, Klondike, Trump, Riviera, des, Nahen, Ostens, Kriegsgebiet, Zerstörung, Bauparzellen, Bewohner, Entsorgung
Smotrichs „Immobilien-Klondike“ und Trumps „Riviera des Nahen Ostens“: Wie man ein Kriegsgebiet erst zerstört, dann in Bauparzellen zerlegt – und die Bewohner gleich mitentsorgt
Es gibt Momente, da fragt man sich, ob die Weltgeschichte nicht längst von einer satirischen Redaktion übernommen wurde, die aus purer Bosheit täglich ein neues Drehbuch schreibt. Was jetzt in Tel Aviv und Washington verhandelt wird, klingt jedenfalls nicht nach Politik, sondern nach einer Mischung aus „Game of Thrones“ und Monopoly. Und das Spielfeld heißt: Gazastreifen.

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich, Chefarchitekt des neuesten Zynismus, spricht ernsthaft vom „Immobilien-Klondike“. Man stelle sich das bildlich vor: Goldsucher mit Bauhelmen und PowerPoint-Präsentationen, die im Schutt von bombardierten Wohnhäusern Grundstücksgrenzen ziehen. „Abrissphase abgeschlossen“, so Smotrich, „jetzt müssen wir bauen.“ Als handle es sich um eine heruntergekommene Lagerhalle in Tel Aviv, die für Lofts freigeräumt wurde – und nicht um eine dicht besiedelte Region, in der zuvor Menschen lebten.

Und wer darf bei diesem grotesken „Businessplan“ natürlich nicht fehlen? Donald Trump, der ewige Immobilien-Magier. Der Mann, der Atlantic City in den Ruin führte, will nun die „Riviera des Nahen Ostens“ erschaffen – inklusive Strandhotels, Casinos und vermutlich einer Trump-Tower-Dependance mitten im Gazastreifen. Schließlich hat er Erfahrung darin, Trümmer in glänzende Broschüren zu verwandeln.

Das Kalkül dahinter ist so durchschaubar wie zynisch: Erst die Zerstörung, dann die Wertsteigerung. Ein makabres Geschäftsmodell, das man fast schon als neoliberalen Kriegsgewinnler-Standard bezeichnen könnte. Man führt Krieg, erklärt das Gebiet für „unbewohnbar“, dann rollt die Investorenschlange an. „Selbstfinanzierend“ nennt Smotrich das. Man könnte auch sagen: Die Bomben waren die günstigste Abrissfirma der Welt.

Doch was tun mit den bisherigen Bewohnern? Ach, auch dafür gibt es eine „Lösung“. Umsiedlung. Ein Wort, das klingt wie ein Verwaltungsakt, aber in Wahrheit ein Menschenrechtsdesaster ist. Millionen Palästinenser sollen in Nachbarländer verfrachtet werden – Ägypten, Jordanien, Libyen. Libyen! Ein Land, das selbst kaum weiß, wo oben und unten ist, soll nun zur Auffangstation für die Überreste eines ganzen Volkes werden. Wie großzügig.

Und während arabische Staaten laut und deutlich erklären, dass sie diese Umsiedlungsfantasien nicht akzeptieren, tun Smotrich und Trump so, als handele es sich lediglich um kleine technische Hürden. Wie Projektentwickler, die sich ärgern, dass die Baugenehmigung noch nicht durch ist.

Man könnte lachen, wenn es nicht so bitter wäre: Hier wird der Gazastreifen behandelt wie ein Stück Brachland, das man mit ein paar cleveren Investorenplänen „entwickeln“ kann. Die Realität – dass dort Hunderttausende Menschen ihre Heimat haben, dass die Region ein Pulverfass aus Leid und Geschichte ist – wird einfach ausgeblendet. In den Excel-Tabellen der Businessplaner tauchen Menschen nur als „Störfaktor“ auf.

Smotrich sagt: „Wir müssen entscheiden, wie wir das Land aufteilen.“ Man beachte: nicht ob das Land ihnen gehört, nicht wer überhaupt das Recht hätte, über die Zukunft zu bestimmen. Nein, die einzige Frage ist: Wie teilen wir es auf? Wer bekommt die besten Strandabschnitte, wer darf die neuen Hotels betreiben, wer hat das Monopol auf die Trinkwasserversorgung?

Das alles erinnert fatal an alte Kolonialzeiten. Damals teilten sich europäische Mächte den afrikanischen Kontinent mit dem Lineal am grünen Tisch auf. Heute sind es Smotrich und Trump, die mit ebenso viel Chuzpe das nächste „Protektorat“ entwerfen – ein Gazastreifen, zehn Jahre lang unter amerikanischer Verwaltung, befreit von seinen Einwohnern. Ein Disneyland der
Immobilienwirtschaft, mitten auf den Trümmern eines Krieges.

Und wie reagiert die Weltöffentlichkeit? Mit einem Schulterzucken. Denn wer Krieg als „Abrissmaßnahme“ und Flucht als „Umsiedlung“ etikettiert, der hat die Sprache längst so verbogen, dass die Realität gar nicht mehr durchdringt. Man redet nicht von Enteignung, sondern von „Rekonstruktion“. Nicht von Vertreibung, sondern von „Nachhaltigkeit“. So wird das Völkerrecht im Handumdrehen zur PR-Abteilung einer Investorengruppe.

Das Absurde ist: Dieses Narrativ funktioniert. Man verkauft die Katastrophe als Geschäftschance, das Leid als Investitionsmöglichkeit, die Vertreibung als „Räumung für den Wiederaufbau“. Das ist Kapitalismus im Endstadium: nicht nur, dass Menschenleben keinen Wert haben – sie werden aktiv als Hindernis in der Bilanzführung begriffen.

Und am Ende könnte man meinen, es handele sich um eine groteske Version von Monopoly: Ziehe über Los, kassiere zwei Millionen Dollar, baue ein Hotel in Gaza-Stadt. Pech für die Bewohner – die sind nicht mehr Teil des Spiels.

Summa summarum:
Was hier verhandelt wird, ist nichts anderes als eine Enteignung im XXL-Format, ein Businessplan auf den Trümmern menschlichen Lebens. Wenn Smotrich von „Immobilien-Klondike“ schwärmt und Trump von einer „Riviera des Nahen Ostens“ träumt, dann zeigt sich darin die nackte Wahrheit: Es geht nicht um Frieden, nicht um Sicherheit, nicht einmal um Politik. Es geht um Profit. Und wer das Land bewohnt hat, wird behandelt wie ein lästiger Mieter, den man aus der Wohnung klagt.

So wird aus Krieg ein Bauprojekt, aus Völkern eine Verfügungsmasse und aus Völkerrecht ein Witz. Willkommen im Monopoly Gaza – der zynischsten Immobilienmesse der Welt.



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