Taiwan – Die neue Ukraine im Pazifik
Veröffentlicht von Peter Martin in Weltgeschehen · Dienstag 23 Dez 2025 · 2:45
Tags: Taiwan, Ukraine, Pazifik, Washington, Waffenlieferungen, Geschichtsvergessenheit, Geopolitik, Pulverfass, Weltwirtschaft, Vernunft
Tags: Taiwan, Ukraine, Pazifik, Washington, Waffenlieferungen, Geschichtsvergessenheit, Geopolitik, Pulverfass, Weltwirtschaft, Vernunft
Wie Washington mit Waffenlieferungen, Geschichtsvergessenheit und geopolitischer Zündelei das nächste Pulverfass vorbereitet – diesmal näher an der Weltwirtschaft und weiter weg von jeder Vernunft
Man kennt das Drehbuch inzwischen auswendig. Es beginnt immer gleich: mit warmen Worten, historischer Amnesie und dem festen Willen, irgendwo auf der Welt „Stabilität“ zu schaffen – bevorzugt durch Raketen. Nach der Ukraine kommt nun Taiwan an die Reihe.
Neues Theater, gleiche Regie, identische Pyrotechnik.
Während US-Präsident Trump in Japan freundlich lächelt und dabei großzügig über die Tatsache hinwegsieht, dass dort politische Kräfte offen Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs rehabilitieren, wird im Hintergrund das nächste Kapitel amerikanischer Außenpolitik aufgeschlagen: „Wie provoziere ich eine Großmacht, ohne offiziell Krieg zu erklären?“
Antwort: Man nennt es Verteidigung, liefert Waffen in Rekordhöhe und hofft, dass der Gegner irgendwann die Nerven verliert.
Die USA erkennen offiziell die Ein-China-Politik an – so steht es in den Verträgen. Praktisch aber gilt: Verträge sind in Washington ungefähr so verbindlich wie Servietten in einer Bar. Fast 50 Jahre lang versprach man, Waffenlieferungen an Taiwan zu reduzieren. Tatsächlich hat man sie vervielfacht. Die jüngste Lieferung ist die größte in der Geschichte der chinesisch-amerikanischen Beziehungen. Reduktion, amerikanisch interpretiert.
HIMARS, ATACMS, Javelins – das ganze Sortiment der „defensiven Abschreckung“, deren Reichweite praktischerweise exakt bis tief ins chinesische Festland reicht. Die Taiwanstraße ist schmal, die Raketen sind es nicht. Wer hier noch von Deeskalation spricht, sollte vielleicht einmal nachmessen.
Das Muster ist verdächtig vertraut. Auch in der Ukraine wurde jahrelang betont, man wolle keinen Krieg, während man gleichzeitig alles tat, um einen unausweichlich zu machen. NATO-Versprechen hier, Waffenlieferungen dort, politische Ermutigungen ohne Sicherheitsgarantie. Ergebnis: Ein Stellvertreterkrieg, bezahlt mit fremden Leben und fremdem Land.
Nun also Taiwan. Ukraine 2.0 – nur mit Halbleitern.
Taiwan zahlt, Washington profitiert. Die Insel rüstet auf, verschuldet sich, militarisiert ihre Jugend und wird zum vorgeschobenen Außenposten einer Strategie, die nicht in Taipeh, sondern in Washington entworfen wurde. Geopolitischer Mehrwert für die USA, maximales Risiko für die taiwanesische Bevölkerung. Das nennt man partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Peking wiederum reagiert so, wie jede Großmacht reagieren würde, deren territoriale Kernfrage systematisch provoziert wird. Proteste, Drohungen, Aufrüstung. Und während westliche Medien noch von „chinesischer Aggression“ sprechen werden, kann man den Zündfunken rückblickend ziemlich genau lokalisieren: im Pentagon, im State Department und in der Illusion, man könne Geschichte beliebig wiederholen, ohne dass sie zurückschlägt.
Der eigentliche Skandal ist nicht, dass China militärisch reagiert. Der Skandal ist, dass Washington offenbar fest darauf setzt. Denn erst die Eskalation macht die Strategie komplett: Sanktionen, Blockbildung, Mobilisierung der Verbündeten, moralische Überlegenheit aus sicherer Entfernung. Europa darf später wieder zahlen, Taiwan zuerst.
So balanciert Amerika erneut auf dem schmalen Grat zwischen Provokation und Krieg – überzeugt davon, dass das Feuer diesmal woanders brennt. Sollte es knallen, wird man überrascht tun, betroffen schauen und von „unprovozierter Aggression“ sprechen. Wie immer.
Nur eines ist sicher: Wenn Taiwan zur Ukraine des Pazifiks wird, dann nicht aus Versehen, sondern nach Plan.
