Weißwurst statt Kriegsschiffe? Wenn Bayern austreten will und Berlin plötzlich Peking spielt
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Montag 29 Dez 2025 · 3 Minuten
Tags: Weißwurst, Kriegsschiffe, Bayern, austreten, Berlin, Peking, Föderalismus, Souveränität, Sezession, Gedankenexperiment
Tags: Weißwurst, Kriegsschiffe, Bayern, austreten, Berlin, Peking, Föderalismus, Souveränität, Sezession, Gedankenexperiment
Ein Gedankenexperiment über Föderalismus, Souveränität – und warum man Sezession immer gut findet, solange sie nicht vor der eigenen Haustür passiert
(Kommentar von Peter Martin)
Stellen wir uns einmal vor, Bayern entscheidet sich demokratisch, nüchtern und mit Maßkrug in der Hand: „Mia san mia – aber nimmer dabei.“
Ein Volksentscheid, klare Mehrheit, weiß-blauer Separatismus mit Brezn und Grundgesetzkommentar.
Was würde passieren?
Vermutlich keine F-35 über München, keine Marineblockade am Chiemsee, keine „Mission Gerechtigkeit 2025 – Alpenedition“.
Aber rhetorisch?
Oh, rhetorisch wäre plötzlich China ganz nah an der Spree.
Oh, rhetorisch wäre plötzlich China ganz nah an der Spree.
Denn genau wie Peking bei Taiwan würde Berlin erklären, der Austritt sei
– eine „Gefahr für die nationale Einheit“,
– eine „unzulässige separatistische Provokation“,
– und selbstverständlich „völkerrechtlich ausgeschlossen“, weil man sich Souveränität eben gern rückwirkend definiert.
– eine „Gefahr für die nationale Einheit“,
– eine „unzulässige separatistische Provokation“,
– und selbstverständlich „völkerrechtlich ausgeschlossen“, weil man sich Souveränität eben gern rückwirkend definiert.
Der Unterschied:
China schickt Kampfflieger.
Berlin schickt Verfassungsrechtler.
China schickt Kampfflieger.
Berlin schickt Verfassungsrechtler.
Beides ist einschüchternd – nur eines klingt höflicher.
Das Narrativ wäre identisch:
Nicht Bayern entscheidet über Bayern – sondern der Bund über Bayern.
Denn Einheit ist heilig. Selbstbestimmung hingegen nur dann, wenn sie geopolitisch nützlich ist und möglichst weit weg stattfindet.
Nicht Bayern entscheidet über Bayern – sondern der Bund über Bayern.
Denn Einheit ist heilig. Selbstbestimmung hingegen nur dann, wenn sie geopolitisch nützlich ist und möglichst weit weg stattfindet.
Wenn Taiwan sich demokratisch organisiert, nennt man das in Europa „mutig“.
Wenn Bayern das täte, hieße es plötzlich „verfassungsfeindlich“.
Wenn Bayern das täte, hieße es plötzlich „verfassungsfeindlich“.
Der Unterschied liegt nicht im Prinzip – sondern im Pass.
Und wie China würde auch Berlin erklären, man handle selbstverständlich nicht aggressiv, sondern rein defensiv.
Man müsse nur präventiv
– Finanzströme kontrollieren,
– Kompetenzen einfrieren,
– Transfers neu bewerten
– und notfalls den Länderfinanzausgleich als wirtschaftliche Blockade interpretieren.
Man müsse nur präventiv
– Finanzströme kontrollieren,
– Kompetenzen einfrieren,
– Transfers neu bewerten
– und notfalls den Länderfinanzausgleich als wirtschaftliche Blockade interpretieren.
Natürlich alles im Namen der Ordnung.
Und der Werte.
Und der Stabilität.
Und der Werte.
Und der Stabilität.
Die Krönung des Ganzen wäre die internationale Reaktion:
Europa würde „zur Zurückhaltung mahnen“,
die USA würden „die territoriale Integrität Deutschlands betonen“,
und irgendein Leitartikler würde erklären, Bayern sei zwar kulturell eigenständig, aber historisch eben „Teil des Ganzen“.
Europa würde „zur Zurückhaltung mahnen“,
die USA würden „die territoriale Integrität Deutschlands betonen“,
und irgendein Leitartikler würde erklären, Bayern sei zwar kulturell eigenständig, aber historisch eben „Teil des Ganzen“.
Genau wie Taiwan.
Seit Jahrzehnten eigenständig, demokratisch, funktionsfähig – aber laut Großmacht eben nur „abtrünnig“.
Seit Jahrzehnten eigenständig, demokratisch, funktionsfähig – aber laut Großmacht eben nur „abtrünnig“.
Der eigentliche Skandal ist nicht Chinas Manöver um Taiwan.
Der Skandal ist die Doppelmoral, mit der Selbstbestimmung zur Tugend oder zur Todsünde erklärt wird – je nach Koordinaten.
Wenn es um ferne Inseln geht, ist man plötzlich Freund der Demokratie.
Wenn es um den eigenen Föderalismus geht, entdeckt man über Nacht den unauflöslichen Einheitsstaat.
Summa summarum:
Würde Bayern den Austritt wollen, gäbe es keine Panzer – aber sehr wohl eine politische Blockade, eine mediale Delegitimierung und eine juristische Dauerbombardierung.
Würde Bayern den Austritt wollen, gäbe es keine Panzer – aber sehr wohl eine politische Blockade, eine mediale Delegitimierung und eine juristische Dauerbombardierung.
Keine Militärübung.
Aber ein Lehrstück in westlicher Souveränitätsauslegung:
Selbstbestimmung ist großartig – solange sie nicht zu Hause stattfindet.
